Knobloch - Eine Radeberger Kaufmanns- und Politiker-Dynastie über 150 Jahre
Dieser Beitrag über das Leben und Wirken einer Radeberger Familien-Dynastie von Kaufleuten und Politikern, die über 150 Jahre das gesellschaftliche Leben und die Stadtentwicklung von Radeberg und darüber hinaus im Sächsischen Landtag wesentlich mitbestimmt hat, ist in leicht abgewandelter Form im Oktober 2016 in Heft 14 der "Radeberger Blätter zur Stadtgeschichte" veröffentlicht worden.

Unter Heimatforschern und historisch Interessierten hat diese Radeberger Chronik die „Aura eines einmaligen historischen Originals und Gesamtkunstwerkes“, welches eine Zeitspanne von 1540 bis 1904 umfasst. An dieser einmaligen Original-Chronik, die jährlich, monatlich und täglich über die Jahrhunderte die wichtigsten Ereignisse der Stadt-, Regional-, Kirchen und Landesgeschichte anschaulich widerspiegelt, waren als Autoren und Historiker mehrere berühmte Radeberger Persönlichkeiten beteiligt.
Der Radeberger Bürgermeister Johann Friedrich Balthasar Thieme (1751-1841; Amtszeit 1799-1807) wird als erster Chronist benannt, der akribisch alle bisherigen Urkunden, Niederschriften über Ereignisse und vorhandene Kirchenbucheinträge zusammengetragen und aufgearbeitet hatte. Ziemlich zeitgleich war bis um 1827 eine weitere Chronik „Radeberg und seine Umgebungen“ durch den berühmten Radeberger Dr. Heinrich v. Martius (1781-1831) veröffentlicht worden, der sein Werk in Buchform herausgab. Danach wurde vorerst nichts weiter dokumentiert. Erst durch den Kaufmann Carl Alexander Knobloch (1807-1878), der früh den Wert dieser bisherigen chronistischen Arbeiten erkannt hatte, wurden diese Lücken geschlossen. Als 1843 gemeinsam für Radeberg und Pulsnitz ein „Wochenblatt“ erschien (1849 zum „Amtsblatt“ erhoben), nutzte er neben seinen eigenen Niederschriften diese Informationsquellen zur Vervollkommnung und Fortschreibung der Chronik von Radeberg. 1871 erfuhr C.A. Knobloch, dass sich eine geschriebene Chronik vom früheren Bürgermeister Johann Friedrich Balthasar Thieme in den Händen des Radeberger Bürgermeisters Dr. med. Carl Gottfried Kuntzsch (1801-1875: Amtszeit 1837-1873) befand. Der weigerte sich, dieses „Privat-Eigentum“ zur Weiterführung an Knobloch zu übergeben. Erst eine wirtschaftliche Notlage veranlasste Dr. Kuntzsch 1872 zum Verkauf der Thieme-Chronik an C. A. Knobloch. Dieser führte Thiemes Chronik und seine bisherigen eigenen Niederschriften, insges. 630 handgeschriebene Seiten, zusammen, ordnete alles und ließ das Werk in der „Kgl. Hofbuchbinderei zu Dresden“ binden. So entstand der die Zeit bis 1840 umfassende Band I, den man korrekterweise „Thieme-Knobloch-Chronik“ nennen muss.
C.A. Knobloch suchte einen Partner, der ihm bei der Aufarbeitung der Wochenblätter helfen und die Chronik weiterführen könnte. Diesen fand er in Moritz Emil Gärtner, ebenfalls Kaufmann in Radeberg und Urenkel des Begründers der Chronik, J.F.B. Thieme. Nach C.A. Knoblochs Tod 1878 führte dessen Sohn Georg Alexander die Aufzeichnungen weiter, Gärtner blieb unentbehrlicher Partner und Mitautor. Damit verdient der 2. Teil der Chronik den Namen „Knobloch-Gärtner-Chronik“. Diese endet 1904 mit einem Umfang von 640 Seiten.
Die Ausstrahlung dieses besonderen Zeugnisses unserer Stadtgeschichte als Originalkunstwerk war stets mit dem „Hauch eines Geheimnisses“ belegt, denn nur wenige konnten diese handschriftliche Chronik jemals einsehen oder gar in den Händen halten. Das blieb auch so, nachdem sie Anfang der 1990er Jahre zwar per Schreibmaschinenschrift als Transkript allgemein lesbar gemacht wurde, jedoch immer noch als analoges Werk im Schlossarchiv unter Verschluss gehalten wurde.

Das änderte sich erst, nachdem der Regionalhistoriker und Experte für Digitalisierung Klaus Schönfuß, im Jahr 2016 als Auftrag der Museumsleitung Schloss Klippenstein, das gesamte Werk als kulturelles Erbe bearbeitete und digitalisierte und dadurch die Teilhabe vieler Menschen an diesem Kulturgut ermöglichte, indem er es nach heutigen online-Standards aufbereitete und durchsuchbar machte.
Beide handschriftliche Bände sind an Georg Knoblochs Tochter Margarethe, verehel. Vogel, vererbt worden und befinden sich noch heute im Privatbesitz von Knoblochs Enkel in Berchtesgaden / Bayern.
Dr. Gustav Heinrich von Martius (* 28. Dezember 1781 in Radeberg; † 4. August 1831 in Berlin) war Arzt, Naturwissenschaftler, Autor und Chronist. Sein Leben und Wirken ist HIER umfassend beschrieben worden.
Im Jahr 1828 hat er sein für die Geschichte Radebergs bedeutsames Werk Radeberg und seine Umgebung (Bautzen, bey E.F.A. Weller. 1828) veröffentlicht, das bis heute als eine der ersten und ausführlichsten Beschreibungen von Radeberg gilt.
RADEBERG IM JAHRE 1844 - ein Geschichts- und Adressbuch
Teile der unveröffentlichten Chronik der Stadt Radeberg, erarbeitet vom Radeberger Oberstudienrat Prof. Felix Schwabe (*1876, † 1948), Typoskript in 4 Teilen, Radeberg, 1947, sind in:
Felix Schwabe, Bertram Greve: RADEBERG IM JAHRE 1844 - ein Geschichts- und Adressbuch
Verlag Bertram Greve, Radeberg 2008
veröffentlicht.
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Ein Heimatbuch von Prof. Dr. Theodor Arldt in 7 Abschnitten
"Radeberg und das Gebiet der Dresdener Heide und des Röderflusses"
Unveröffentlichtes Manuskript (Maschinenschrift) im Museum Schloss Klippenstein, Archiv-Nr. 00003478/1 bis 00003478/7; ca. 675 Seiten.
Ausführliches Inhaltsverzeichnis mit Archivalien-Nr. siehe PDF-Datei.
Rudolf Limpach (* 11. November 1920 in Radeberg;
† 27. Juli 1995 ebenda) war 1951 Gründer und von 1953 bis 1990 Leiter des Museums Schloss Klippenstein Radeberg.
Als Museologe, Historiker, Chronist, Archäologe und Kurator schrieb er eine Vielzahl von Publikationen für überregionale und regionale Print-Medien.
In 110 mehrseitigen Folgen hat Limpach ab 1967 die „Kleine Chronik einer alten Stadt“ im Radeberger Kulturleben veröffentlicht. Er hat mit akribischer Genauigkeit eine Unmenge verschiedener Quellen erschlossen, chronologisch exakt aufbereitet, Einzel-Aussagen komprimiert, neue eigene Forschungen zugefügt und alles in einem neuen, komplexen Gesamtwerk zusammengefasst. Die Chronik beginnt mit der Frühgeschichte Radebergs und endet inhaltlich mit dem Jahr 1772, das in der 110. und damit letzten Folge behandelt wurde, als Ende 1976 das Erscheinen des Radeberger Kulturlebens eingestellt wurde. Der wissenschaftliche Wert dieser chronistischen Arbeit besteht auch darin, dass Limpach direkt beim jeweiligen Ereignis die Quellen angegeben hat und damit weiterführende historische Recherchen und Bearbeitungen wesentlich erleichtert. Limpach hatte in dieser 10-jährigen Arbeit alle ihm zugänglichen Akten- und Urkundenbestände durchgearbeitet und die verfügbaren früheren Chroniken zugrunde gelegt.
Otto Karl Mörtzsch (1868-1934) war ein deutscher Lehrer, Heimat- und Höhlenforscher.
Anlässlich des 500. Jahrestages der Verleihung des Stadtrechts an Radeberg 1412 verfasste er 1912 die "Kleine Chronik von Radeberg" (Volltext-Version SLUB Dresden) als Festschrift (mit Nachträgen von Clemens Pfietzmann).
Friedrich Ehregott Praßer (1814-1888)
Erfinder, Publizist, Lehrer, Astronom, Chronist
Veröffentlichte 1869 die "Chronik von Großröhrsdorf, Stadt und Dorf Pulsnitz, Friedersdorf, Thiemendorf, Lichtenberg, Mittelbach, Kleindittmannsdorf, Leppersdorf, Augustusbad, Bad zu Liegau, Lotzdorf, Radeberg, Kleinröhrsdorf, Wallroda, Kleinwolmsdorf, Arnsdorf, Fischbach, Schmiedefeld, Seligstadt, Harthau, Frankenthal, Rammenau, Hauswalde, Bretnig und Ohorn. Vornehmlich nach den Urkunden d. K. S. Haupt-Staats-Archives, des Domstiftes Meißen, sowie der königlichen Gerichtsämter Pulsnitz, Radeberg, Stolpen u. Bischofswerda."
Friedrich Bernhard Störzner (1861-1931)
Kantor, Lehrer, Heimatkundler
Veröffentlichte 1904 "Was die Heimat erzählt" in der Reihe "Beiträge zur sächs. Volks- und Heimatkunde".
Erwähnenswert ist auch sein Buch "Berichte über Steinkreuze in Sachsen und Thüringen" (neu aufgelegt Erfurt 1996).
Johannes Kirschen
Lehrer, Heimatkundler
Veröffentlichte 1904:
"Radeberg i. Sa. nebst Handel, Gewerbe und Industrie in Wort und Bild".
Mit einer Vielzahl historischer Fotos und Grafiken sowie Firmen-Anzeigen.
Rechts die Volltext-Version (SLUB Dresden).